Kerstin Polte: Portrait in der Siegessäule

Kerstin startet durch! Als eine Berlinerin, von der man 2017 noch einiges hören wird, wurde sie in der Januar/Februar-Ausgabe der Siegessäule portraitiert.

Traumfabrik

„Kerstin ist wie das Drehbuch: poetisch, durchlässig, weiblich, schön und lustig und klug“, sagt Schauspieler Bruno Cathomas über die lesbische Autorin und Regisseurin Kerstin Polte, die 2017 mit ihrem ersten Spielfilm an den Start geht

> 2017 könnte das Jahr für die Autorin und Regisseurin Kerstin Polte (41) werden. Seitdem sie denken beziehungsweise schreiben kann, lebt sie für das Erzählen spannender, unorthodoxer und hu- morvoller Geschichten auf der Leinwand. Kerstin ist dabei in Film und Serie gleich fest verankert. Sie dreht Dokumentar- und Spielfilme und hat 2015 ein Start-up gegründet, in dem sie ungewöhnliche und in- novative Serienformate made in Berlin entwickelt und produziert – das Serienwerk. Die Bundesregierung zeichnete das Serienwerk ge- rade mit dem Titel „Kultur- und Kreativpiloten Deutschlands“ aus. Um Kerstins große Leidenschaft für das Geschichtenerzählen nach- zuvollziehen, hilft ein Blick auf ihre Laufbahn. Ihr Weg beginnt in Montreal. Bereits mit 20 ging sie nach Kanada, um dort Theater, Film

und Literatur zu studieren. In Karlsruhe setz- te sie ihre Studien mit einem Diplom in Medienkunst fort und absolvierte in Zürich den Masterstudiengang Drehbuch/Regie. Seit- dem hat sie viele, auf internationalen Festivals ausgezeichnete Kurzfilme gedreht, als Cut- terin, Producerin, Autorin und Regisseurin in verschiedenenLänderngearbeitet. Heutelebt sie mit Frau und Kindern in Berlin.

Kerstins erster langer Dokumentarfilm kam im Frühjahr 2016 in die Kinos: „Kein Zicken- fox“ (SIEGESSÄULE berichtete) erzählt die Geschichte des Berliner Frauenblasorchesters und wurde auf mehreren schwul-lesbischen Festivals mit dem Publikumspreis ausge- zeichnet. Im Moment schneidet sie mit Lei- denschaft ihr nächstes großes Projekt, denn im Sommer 2017 heißt es endlich „ganz gro- ßes Kino“ für Kerstin: Ihr Langfilmdebüt als Autorin und Regisseurin kommt auf die Lein- wand – „Monster“ (AT). Acht Jahre hat sie an dem Drehbuch für das poetische Roadmovie rund um Charlotte (Corinna Harfouch) geschrieben, die ihre Familie und ihr altes Leben an einer Autobahnraststätte zurück- lässt. Meret Becker und Sabine Timoteo spie- len darin ein lesbisches Liebespaar und Meret singt. Zusammen mit Hannes Gwisdek (Käptn Peng) hat sie auch den Soundtrack bei- gesteuert. Das Team peilt eine Festivalpre- miere bei den Filmfestspielen in Cannes oder in Locarno an – kurz darauf ist der Film dann auch in Berliner Kinos zu sehen.

2017 wird dann an der Serienfront ein aufre- gendes, arbeitsreiches Jahr für Kerstin. Die Fülle der Stoffe, an denen sie im Serienwerk mitschreibt und deren Kreation sie inhaltlich leitet, ist riesig. Viele von ihnen haben auch schwul-lesbische Bezüge.

Zunächst liegt der Fokus aber auf „Monster“. Bei den Dreharbeiten konnte Kerstin sich einen ihrer Träume erfüllen, einmal eine schöne lesbische Liebesszene für die Kino- leinwand zu inszenieren. Auf diese Szene, aber auch auf alle anderen Geschichten, die sie erzählen wird, dürfen wir uns freuen. 2017 wird man viel von Kerstin Polte hören – oder vielmehr sehen. < Uta Zorn